In 6 Schritten zu einer besseren Kommunikation
Was wäre deine Antwort, wenn ich dich fragen würde, wann du und dein Kind euch am meisten streiten?
Mein Antwort wäre diese:
Wenn ich Revue passieren lasse, wann genau mein Sohn und ich uns streiten und auch wann unsere Streits am heftigsten sind, dann komme ich fast immer auf Missverständnisse in der Kommunikation.
Hast du ein Kind mit ADHS? Dann würde ich wetten, dass deine Antwort ähnlich klingen wird und du kannst viel Streit vermeiden, indem du eure Kommunikation verbesserst.
Weniger Streit und bessere Kommunikation haben weitere positive Effekte auf dein Kind.
- Größeres Selbstwertgefühl. Das Kind macht weniger Fehler, da es Aufforderungen richtig nachkommen und auch beenden kann. Es kann selbst stolz auf sich sein und erntet Lob von seinen Eltern (zumindest solltet ihr es loben)
- Mehr Motivation und somit weniger Diskussion bei zukünftigen Aufgaben, da es nun weiß, dass es alles richtig machen kann und Anerkennung erhält.
- Bessere und verständlichere Kommunikation auch außerhalb der Familie, da es eure Kommunikation zu Hause auch in anderen Situation z.B. in der Schule anwenden kann.
Lass dich von meinen bewährten Schritten inspirieren und lege gleich los, mit deinem Kind eine gute und verständliche Kommunikation aufzubauen.
Schritt 1: Ruhe bewahren
In meinen Augen ist dies der wichtigste Schritt, denn Kinder mit ADHS haben oft Schwierigkeiten ihre Gefühle zu kontrollieren. Wenn bei meinem Sohn die Reize überhand nehmen entladen sich seine Gefühle in einem rasenden, tränenreichen Wutanfall.
Es fiel mir oft schwer meine eigenen Gefühle in solchen Situationen zu kontrollieren. Das hat es meist nur noch schlimmer gemacht und wir beide landeten in einem Teufelskreis aus negativen Gefühlen.
Was wir als Eltern wissen müssen ist, dass wir es sind die in der Verantwortung stehen. Dies ist ein Grundpfeiler und du wirst in vielen meiner Blogpost darauf stoßen und merken, dass indem wir uns Verbessern, sich unsere Kinder verbessern.
Unsere Kinder werden nicht lernen ihre Gefühle zu kontrollieren, wenn wir ihnen kein gutes Beispiel dafür sind.
Also bevor ihr von euren Kindern erwartet, dass sie ihr Vernunftzentrum einschalten tut es selbst, damit sie lernen wie es geht.
Die Situation zieht sich hin? Bitte bleibt immer noch ruhig. Sagt etwas Liebes und zeigt Verständnis dafür, dass es aus seinen Gefühlen gerade nicht herausfindet. Jetzt gerade braucht euer Kind euren Schutz und die Sicherheit, dass es bei Euch in guter, urteilsfreier Gesellschaft ist.
Lies hier meinen Artikel „Du weinst bei jeder Kleinigkeit!“ – ein Erklärungsversuch und erfahre warum euer Kind zuhause diesen Schutzraum so dringend braucht.
Die Chancen, über das Verhalten zu sprechen stehen besser, wenn die Situation sich wieder beruhigt hat. In einem Moment der Überforderung und Entladung der Gefühle wird euer Kind nicht aufnahmefähig sein. Und wenn ihr eure eigene aggressiven, genervten oder auch traurigen Gefühle zu der Situation hinzugibt, gießt ihr nur weiteres Öl in Feuer.
Also? Was war Schritt 1? Ruhe bewahren! Nicht leicht, ich weiß das nur zu gut, aber richtig wichtig!
Schritt 2: Abmachungen verschriftlichen
Eine weitere Kommunikationsschwierigkeit bei Kindern mit ADHS ist es Gesagtes richtig einordnen zu können.
Oft wird durch die Diskussionsliebe von ADHS – Kindern viel zu viel gesagt und die Kinder überhören deine Bedingungen oder Anweisungen, merken sich aber sehrwohl was ihre eigenen Bedingungen waren. Hast du deinen Punkt nicht deutlich genug gemacht, denkt dein Kind du hast ihm zugestimmt. Wenn du den Satz: „Mama, du hast dein Versprechen nicht gehalten.“ so gut kennst wie ich, obwohl du der Meinung bist, dass du klar und deutlich mit deinem Kind warst, dann weißt du jetzt, dass genau hier der Hase im Pfeffer liegt.
Unsere Lösung waren Aufgaben- und Regelkarten und das Verschriftlichen von Abmachungen.
Es hat so viel bei uns bewirkt, dass Abmachungen auch wirklich eingehalten werden. Eine Abmachung von uns ist zum Beispiel, dass mein Sohn am Freitag und Sonntag jeweils zwei Stunden Fernsehen oder Nintendo spielen darf. Dies haben wir auf eine Karte geschrieben. Ich habe diese einlaminiert, damit wir die Uhrzeit darauf eintragen können, so kann er selbst kontrollieren, ob die Zeit tatsächlich um ist oder nicht.
Wenn eine Abmachung einmalig ist, schreiben wir diese auf eine Karte. Mein Sohn liest es noch einmal laut vor und hängt sie selbst an die Pinnwand.
Schritt 3: Direkte Sprache
Anknüpfend zu Schritt 2, brauchen wir zur besseren Kommunikation mit unseren Kindern eine direkte Sprache.
Ich neige selbst dazu in meinem Gesprächen weit auszuholen. Wenn ich nett sein möchte, fange ich an Dinge zu umschreiben und die eigentliche Message zu verschleiern. Ich musste also lernen, meine Aufforderung direkt und unmissverständlich zu formulieren. Ein Bitte und ein netter Tonfall darf es natürlich trotzdem sein.
Das bedeutet:
- kurze Sätze ohne Schmuck- und Füllwörter
- Ruhige und klare Aussprache
- Direkte Sprache / Aufforderungen werden nicht als Frage formuliert
Der Grund hierfür ist, dass Sprache einen Reiz darstellt, der über das Hörsystem in unser Gehirn geleitet wird. Im Gehirn werden nun sämtliche Informationen verarbeitet und nach Wichtigkeit gefiltert. Genau hier liegt oft die Schwierigkeit. Wenn wir also in unserer Sprache unwichtige Informationen weglassen, muss das Gehirn unserer Kinder weniger filtern und kann die eigentliche Information – also das was du ihm sagen möchtest – leichter wahrnehmen.
Dies ist übrigens ein Tipp der nicht nur bei Kindern mit ADHS hilft, sondern allgemein in der Kommunikation mit unseren Mitmenschen. Wir sollten keine Angst haben unsere Wünsche und Bedürfnisse auf direktem Wege zu kommunizieren. Nur so muss das Empfangene Gehirn weniger filtern und die Nachricht kommt unverschlüsselt an. So könnt ihr die Fehlerquote bei der Verarbeitung der Information so gering wie möglich halten.
Schritt 4: Nachfragen
Lass dir von deinem Kind im Gespächsverlauf immer mal wieder ein kurzes Feedback geben, was genau es verstanden hat.
Meinen Kindern nervt es manchmal wenn ich nachfrage. Aber ich habe herausgefunden, dass es sie deswegen nervt, weil sie so gezwungen sind sich auf unser Gespräch zu konzentrieren.
Wenn ich nach einem „Ja mach ich Mama.“ noch mal genau nachfrage, was genau er denn machen soll, weiß er es nämlich gar nicht und dann kommt: „Tut mir leid Mama, kannst du es noch mal sagen.“
Wenn er es selber wiederholt sind die Chancen wesentlich höher, dass er seine Aufgabe verstanden hat und diese dann erledigt.
Schritt 5: Eine Information zur Zeit
Stell dir vor du sitzt am Wochenende mit deinem Kind beim Frühstück und zählst ihm auf, was es heute alles zu tun hat. Wieviel glaubst du wird am Ende des Tages davon zufriedenstellend erledigt sein?
Kinder mit ADHS können Aufgaben nicht oder nur schwer priorisieren. Das bedeutet sie haben erst einmal Schwierigkeiten zu entscheiden mit welcher Aufgabe sie anfangen sollen.
Vielleicht hat dein Kind dann das Glück, dass du es bei der Priorisierung unterstützt. Dann aber kommt ein weiteres Problem hinzu. Der Kopf wird bei der Erledigung nicht frei sein von all den anderen Aufgaben, die du ihm am Frühstückstisch gegeben hast. Im Kopf wird es versuchen alle Aufgaben gleichzeitig zu lösen. Das geht auf Kosten der Konzentration und Fokussierung auf die gerade getätigte Aufgabe.
Die Lösung ist, dass du deinem Kind eine, höchstens zwei Aufgaben gleichzeitig gibst. Ich bin ehrlich ich bin mit meinem Sohn erst bei einer Aufgabe zur Zeit. Das klappt einfach am besten. Mit dieser kurzen Aufgabenliste überforderst du dein Kind nicht und es kann seine Aufgabe in Ruhe und fokussiert beenden.
Gib deinem Kind zwischen den Aufgaben etwas Zeit für sich, damit es die Möglichkeit hat das was er getan hat mental zu verarbeiten und quasi ein Häkchen hinter die Aufgabe zu setzten.
Schritt 6: Ein Familienmeeting etablieren
Runder Tisch, Familientisch, Familientreffen, Sonntagstalk oder ganz anders. Wie ihr diese gemeinsame Zeit nennen wollt, könnt ihr natürlich ganz alleine entscheiden. Die Idee dahinter ist, dass man einmal die Woche an einem festen Tag zusammen kommt und miteinander redet. Hier können verschiedene Themen angegangen werden. Und jeder darf etwas dazu beitragen.
- Gemeinsame Wochenplanung
- Feedbackgespräche
- Zielsetzungen
- Urlaubsplanung
Dies sind nur Beispiele und ihr könnt entscheiden wofür ihr eure gemeinsame Zeit nutzen wollt. Ihr könnt auch nach einem ernsteren Gespräch die Stimmung wieder mit einem kleinen Gesellschaftsspiel heben, so machen wir es gerne. Wichtig ist, dass ihr gemeinsame Abmachungen und Planungen schriftlich festhaltet. Ihr könnt es in Form eines Protokolls machen oder mit Kärtchen. Ein Kalender für die Familie ist immer ein guter Begleiter. Einträge zusammen zu machen hilft Termine und Deadlines in den Köpfen zu verankern. Der Kalender sollte dann auch für jeden sichtbar aufgehängt werden.
Ein weiterer wichtiger Punkt bei Familienzusammenkünften ist, dass es für jeden ein positives Erlebnis sein soll. Bei Tadel oder wenn etwas unangenehmes angesprochen werden soll muss dies gut überlegt sein. Es hilft denjenigen mental darauf vorzubereiten und ihn nicht am Tisch damit zu überraschen. Es hilft auch immer die Waage zwischen gut und schlecht zu finden. Die gute Seite der Waage sollte stets schwerer wiegen als die schlechte Seite. Über unsere innere Waage habe ich auch einen Artikel verfasst. Lese hier mehr darüber.
Setzt euch nicht planlos an den Familientisch, sondern bereitet das Treffen vor.
Fazit:
Eine gute Kommunikation zwischen allen Familienmitgliedern ist die Voraussetzung für ein harmonisches (zu mindest meistens) Familienleben. Viele Dinge erfordern etwas Übung, also lasst den Kopf nicht hängen wenn es mal nicht so klappt wie ihr es euch vorgestellt habt. Bitte nicht aufgeben.
Neue Regeln erfordert auch für eure Kinder eine Umgewöhnung und sie werden nicht immer vor Freude in die Luft springen wenn ihr neue Methoden in ihren Alltag intigrieren wollt. Wenn sie aber merken, dass es dem Familienleben gut tut und sie ebenfalls besser zurecht kommen, werden sie es ganz bestimmt nach einer Weile akzeptieren und sogar gut finden.
Und jetzt geht es um euch. Fange noch heute an deine Kommunikation mit deinem Kind zu verbessern. Ich wünsche euch viel Erfolg bei der Umsetzung.
Hinterlasse mir gerne ein Kommentar. Fragen, Anregungen vielleicht hast du Erfahrung mit einer Methode gamcht, die ich hier nicht aufgezählt habe. Lass es mich gerne wissen.

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